Warum es Zeit wird unsere politische Bildung zu reformieren.

Die Wahlbeteiligung der U30 war, wie auch bei den Bundestagswahlen, die Jahre davor, wieder die schlechteste aller Altersgruppen und dazu geistert das große Übel der angeblichen Politikverdrossenheit der Jugend nun auch schon seit Jahren hartnäckig durch die Talkshows. Doch was ist der Auslöser dieses geringen Interesses und was könnte man dagegen tun?

Die Gründe für die geringe Beteiligung sind vielfältig, einerseits interessieren sich viel Jugendliche nicht mehr für Politik, da sie nicht verstehen wie sie funktioniert. Für viele ist Politik einfach diese komische weit entfernte Sache, die alte Menschen in schlechtsitzenden Anzügen machen und die irgendwas mit Angela Merkel zu tun hat. Andererseits liegt das Problem aber auch darin, dass sie nichtmehr das Gefühl haben etwas verändern zu können bzw. repräsentiert zu werden. (Wer etwas darüber lesen möchte, wie man die Interessen von Jugendlichen wieder besser vertreten könnte, sollte sich meinen Kommentar … durchlesen).

Es gibt jedoch mittlerweile auch eine Gegenentwicklung zu der großen Verdrossenheit, vor allem ausgelöst durch den Wahlkampf in den USA und dem Sieg von Donald Trump, der für viele Jugendliche auf makabere Weise lustig bzw. Interessant war, aber auch viele aufgeweckt hat, die gemerkt haben okay, wenn wir uns nicht für unsere Interessen Einsetzten, dann fahren die alten Menschen da unsere Zukunft an die Wand, doch leider trifft das nicht für alle Jugendliche zu, denn momentan haben wir ein gravierendes Problem. Unsere politische Bildung in Schulen verdient kaum ihren Namen als solche. Bevor ich das weiter ausführe, möchte ich anmerken, dass ich mich hier viel auf meine eigenen Erfahrungen in Baden-Württemberg beziehe, jedoch aufgrund vieler Diskussionen mit Freunden aus anderen Bundesländern versichern kann, dass dieses Problem bundesweit auftritt.

Die politische Bildung in deutschen Schulen handelt vor allem vom stumpfen auswendig lernen, den Schülern wird gesagt: das ist unser System, so funktioniert es, das ist gut so und hier sind die Parteien, die stehen hier und dafür und jetzt entscheidet was euch am besten gefällt. Und das ist der große Knackpunkt, entscheidet euch, bildet euch eine eigene Meinung, das ist der Punkt an dem das System scheitert. Natürlich muss man lernen, wie eine Demokratie aufgebaut ist, doch noch wichtiger für einen „mündigen Bürger“ ist es, dass er sich selbst eine Meinung bilden kann und genau das ist es, was am wenigsten gelehrt wird. Wie können wir also dann erwarten, dass sich Erstwähler mit hochkomplexen politischen Fragen auseinandersetzten, wenn die meisten Erwachsenen Menschen, wie sie selbst garantiert nur zu gut wissen, schon aufgegeben haben und mittlerweile nur noch Gesichter wählen und kaum jemand mehr ins Wahlprogramm schaut.

Wenn wir unsere Methoden der politischen Bildung nicht ändern, machen wir es damit immer einfacher für Populisten, die Menschen mit einfachen Phrasen zu überzeugen und wir fördern eine niedrige Wahlbeteiligung, da immer mehr Menschen einfach resignieren und es aufgeben, sich am politischen Prozess zu beteiligen.

Auf lange Sicht könnte dies durchaus eine Gefahr für unsere Demokratie werden, denn am Ende schützt nur ein aufgeklärter, mündiger Bürger die Demokratie nicht der, der mit der Masse mitschwimmt.

Deshalb müssen wir jetzt die Jugendlichen wieder ordentlich darauf vorbereiten, Teil einer Demokratie zu sein, sich eine eigene Meinung zu bilden und zu beteiligen. Denn das Potenzial gibt es, wer auf die U18 Wahl vor der Bundestagswahl schaut, bei der mehr als 200000 Jugendliche ihre Stimme abgegeben haben, obwohl sie wussten, dass sie nicht zählt und, wer mal auf einer „Pulse of Europe“ Demo war, auf die teilweise ganzen Klassen gingen oder bei einem Treffen einer der vielen Jugendgemeinderäte im ganzen Land war, der weiß, das Interesse ist da, es muss nur gefördert werden.

 

Autor: Thomas G.

Co-Autorin: Emely K.