Der Mythos der jugendlichen Politikverdrossenheit.

Politikverdrossenheit ist ein Begriff, den jeder, der etwas mit Jugend und Politik zu tun hat, mittlerweile schon nicht mehr hören kann. In jeder Talk-Show und nach jeder Wahl wird dieser Begriff immer wieder heraufgeholt, um über die ach so uninteressierte Jugend und ihre Verantwortungslosigkeit nicht am politischen Prozess teil zu nehmen, zu lästern und sich zu beschweren.

Doch gibt es diese Politikverdrossenheit überhaupt? Und was verursacht sie?

Zweifelsohne gibt es bis zu einem gewissen Grad ein mangelndes Engagement und Interessen von Jugendlichen an der „großen“ Politik, der Politik die für Erwachsenen „die Politik“ ist also Politik auf Bundesebene, auf Länderebene oder die großen Fragen unserer Gesellschaft, um ein Beispiel zu nennen, wenige Jugendliche interessieren sich für die Wirtschaftliche Lage der USA.

Doch woran liegt das?

Politik und Politiker*innen haben in unserer heutigen Zeit ein gravierendes Problem, die regelrechte Überflutung der Medien. Ein*e Politiker*in muss täglich mehrere Interviews und Pressekonferenzen überstehen, dabei muss er seinen Standpunkt immer wieder neu darlegen und zwar auf eine Weise, die auf keinen Fall missverstanden werden kann, denn falls dies möglich ist, machen es die Medien nur zu gerne. Zusätzlich müssen Politiker*innen ebenfalls darauf achten, dass ihre Antworten immer identisch sind, da sie sonst schnell als wankelmütig dastehen, da Medien aus Feinheiten ihrer Formulierungen unterschiedliche Aussagen interpretieren.

Dies führt zu einem immer häufiger auftretenden Phänomen und zwar, dass Politiker ihre Antworten in Fachsprache hüllen und, dass sie immer und immer wieder dasselbe sagen.

Wer dazu mehr wissen möchte, lesen sie mal „Höllenritt Wahlkampf“ von Frank Stauss, er war unter anderem für die Wahlkämpfe von Gerhard Schröder verantwortlich und hat das Problem sehr gut erklärt.

Für Erwachsene mag das nicht sonderlich schlimm sein, doch für Jugendliche ist es fatal, es zerstört Interesse und fördert ein Unverständnis, dass oft in einem „ich verstehe es nicht, also lass ich es“ endet.

Gebrochen wird diese Einstellung meist erst im Gespräch mit politisch engagierten Jugendlichen, die ihnen „übersetzten“, was die Politiker überhaupt sagen und, was ihr Standpunkt ist und es führt dann auch oft zu Interesse an der Sache und damit der Politik. Doch bis dahin haben wir im Moment bereits sehr viel Jugendliche bereits verloren.  

Auch in der Schule kann dieses Phänomen des „aufwachen“, oft gut beobachtet werden.

Ich kann nur jedem empfehlen mal in eine neunte oder zehnte Klasse zu gehen und über Kommunalpolitik zu reden, da werden sie fast erschlagen werden, vom Interesse der Schüler und wer mit einer für die Schüler normalen Sprache, mit ihnen über Landes oder Bundespolitik spricht, wird merken, dass auch dort großes Interesse besteht und, dass sich die Argumente und Standpunkte fast immer mit denen der ach so besser informierten Erwachsenen decken.

Am Ende kann ich nur sagen, Politikverdrossenheit wie sie gerne dargestellt wird, existiert schlicht und ergreifend nicht, oder zumindest nicht mehr, als bei Erwachsenen. Nur der Eindruck wird erschaffen, durch ein zu geringes Ansprechen der Jugend und mit der falschen Sprache und, da wird uns wohl mal wieder nur eine Veränderung unserer politischen Bildung helfen.  

Autor: Thomas Gönner

Co-Autorin: Emely Kissinger